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Test: currexSole RUNPRO Einlagen (Medium)

Seit ich bei meinen Laufschuhen von Adidas auf Saucony umgestiegen bin, nutze ich in jedem meiner Schuhe currexSole RUNPRO Einlagen anstelle der normalen Schuheinlagen des Herstellers. Dahinter steckt die Erfahrung, dass ich aufgrund meines leichten Senkfußes in den ansonsten tollen Schuhen ein Druckgefühl am Innenrist habe. Die ersten currexSole RUNPROs habe ich im Saucony Kinvara 3 gehabt und auch in den mittlerweile vier verschiedenen Modellen aus der Saucony Kinvara 4 Reihe nutze ich die Einlagen.

Natürlich war mir vor dem ersten Kauf klar, dass das Personal im Geschäft meiner Wahl gern eine Vielzahl teurer und vielleicht auch überteuerter Goodies an den Mann (oder die Frau) bringen möchte. Und mit mittlerweile 35 Euro pro Paar – vor einem Jahr waren es noch 30 – sind die Einlagen ein wirklich teures Vergnügen. 35 Euro für Einlagen, die nicht im Mindesten unter orthopädischen Gesichtspunkten betrachtet werden können. Allerdings liegt die Betonung für mich auf „Vergnügen“.

Auf den Bildern seht Ihr die Sohlen im Vergleich zu einer Saucony-Standardeinlage.

Der erste Eindruck
Die getesteten Einlegesohlen sind erstmal deutlich schwerer als das im Schuh befindliche Standardmodell. Die Einlagengröße M bringt laut Hersteller 40 Gramm pro Sohle auf die Waage, meine Größe XL wohl noch etwas mehr. Das ist erstmal nicht viel, wäre aber in einem 200-Gramm-Schuh schonmal gut 20 Prozent mehr an Gewicht. Dieses Gewichtsplus ist natürlich material- und bauartbedingt und tatsächlich lassen sich bereits auf den ersten Blick deutliche Unterschiede zwischen den currexSole-Einlagen und den Standardläppchen feststellen. Eine deutliche ausgeformter und tieferer Fersenbereich zum Beispiel sowie eine Unterseitenkonstruktion, die mehr nach Hightec als nach Laufen aussieht. Was also hat es mit dieser Einlegesohle auf sich?

Was wurde wie verbaut? Und wie? Und vor allem: warum?
Glaubt man den Herstellerangaben (und das muss man in diesem Fall wohl, es sei denn, man ist Laufschuheinlegesohlenentwickler oder -spezialist), dann zeichnet sich die currexSole RUNPRO Einlage durch fünf wichtige Punkte aus. Zum einen wäre da der bereits oben angesprochene tiefe Fersenbereich. Desweiteren besteht die gesamte Sohle aus drei Schichten verschiedener (und leider auch nicht näher definierten) Materialien, die für einen optimierten Feuchtigkeitsabtransport sorgen. Das ist in sofort wichtig, als dass der Fuß im feuchten Schuh zu rutschen beginnt und auch eine Blasenbildung wahrscheinlicher ist.

Die Unterseite der Sohle zeichnet sich durch drei Kernpunkte aus. Als erstes zu nennen ist dabei der dynamische Bogen aus Nylon-Kompositmaterial im Mittelfußbereich zur Unterstützung der natürlichen Fußführung. Ich habe natürlich keine Ahnung, wie das Silber-Nylon-6-Komposit den Fuß natürlich führt, aber mein Fuß ist im Schuh stabil und viel wichtiger als das: Ich habe kein Druckgefühl am Innenrist. Im Vorderfußbereich befindet sich eine Einheit PROPO+. Das ist nichts anderes als ein spezielles, weiches Material, dass den gefühlt direkten Bodenkontakt und damit die Vortriebskraft begünstigt (siehe auch engl. „propulsion“). Im Bereich der Ferse wartet die currexSole RUNPRO mit einem äußerst weichen, aber ebenfalls ausreichend stabilen Material auf, dass den Erstkontakt des Fußes beim Auftreten hervorragend abdämpft.

Die currexSole RUNPRO Einlagen gibt es in den Produktarten „Low“, „Medium“ und „High“, die farblich voneinander getrennt sind. Die roten „Low“s für den flachen Fußaufbau, die orangen „Medium“s für den walterähnlichen Leichtsenkfuß sowie die blauen „High“s für den modernen Supinierer von heute. Mehr Informationen dazu findet Ihr beim Sohlentest auf der Herstellerseite.

Nachdem wir uns jetzt also ausreichend mit den blumigen Marketingbezeichnungen des Herstellers herumgeplagt haben, bleibt die Frage offen, ob die currexSole RUNPRO Einlagen für den Normalläufer einen Mehrwert aufweisen können, der nicht zuletzt auch den hohen Preis rechtfertigen muss.

Vor dem Lauf
Erstmal gilt es natürlich das für sich passende Modell zu finden. Eure Fußform könnt ihr im Fachhandel schnell und einfach feststellen lassen, so dass dem Kauf in dieser Hinsicht nichts entgegen stehen sollte. Die Einlagen gibt es in den gängigen Größen S-XXL, vom schmalen Damenfuß bis zum Modell „Riesenfuß“ für den Herrn. Ich brauche für meine Sauconys in US-Größe 12 (EU 46,5) Einlagen in XL.

Hat man die Einlage der Wahl gefunden muss sie natürlich an den vorhandenen Laufschuh angepasst werden. Dazu legt Ihr am besten die Standardeinlage über die currexSole RUNPRO, zeichnet mit einem Kugelschreiber am Umriss entlang und schneidet die Sohle dann zurecht. Habt Ihr wirklich die richtige Größe gewählt, braucht Ihr keine Sorge zu haben, die Sohlenkonstruktion dabei zu beschädigen. Der Verschnitt ist dann lediglich Standardmaterial.

Einmal richtig zugeschnitten sitzt die Sohle im Schuh bombenfest. Achtet darauf, sie wirklich gut zuzuschneiden, um zu vermeiden, dass eine etwas zu große Einlegesohle Euer Schuhobermaterial an den Seiten beschädigt oder den Fuß zu sehr ausser Position drückt.

Meine Testerfahrung
Die von mir verwendeten Saucony Kinvaras der Modellreihen 3 und 4 laufen sich mit der currexSole RUNPRO anders als mit den Standardeinlagen. Mir erscheint dabei die Dämpfung etwas verstärkt zu sein, besonders im Aufprallbereich der Ferse. Wir sprechen hier allerdings nicht von einem weichen Kissen wie z.B. standardmäßig im Asics Gel Nimbus. Der Bodenkontakt ist insbesondere im Vorderfußbereich sehr direkt und der Fuß hat einen wirklich sicheren Halt im Schuh. Ich habe die Sohlen ursprünglich angeschafft, da ich aufgrund meines bereits angesprochenen leichten Senkfußes die Saucony Kinvaras nicht ohne unangenehmes Druckgefühl am Innenrist laufen konnte. Dieser Druck ist bei Nutzung der currexSole RUNPRO Einlagen absolut nicht vorhanden und das Laufgefühl in den Schuhen ist toll.

Der Hersteller verspricht in seinem Pressetext vollmundig eine Reduktion der Ermüdung in den Füßen und der Wadenmuskulatur bei 100-prozentiger Kraftübertragung auf den Boden. Ich habe keine Ahnung, wie ich die subjektive Empfindung von Müdigkeit in einem objektiven Vergleich setzen soll. Meine Saucony Kinvaras sind mit 4mm Sprengung sehr direkte Laufschuhe, die gerade für Umsteiger von stärker gedämpften Modellen erstmal eine Umstellung bedeuten, da die Laufmuskulatur durch den flacheren Aufbau und die reduzierte Dämpfung stärker beansprucht wird. Ich kann an dieser Stelle nur sagen, dass mir der Umstieg von den 12mm Adidas auf die flachen Sauconys nicht so schwer gefallen ist wie erwartet. Möglicherweise, weil ich von Beginn an die Einlagen von currexSole verwende. Die haben mich bisher auf jedem Lauf zuverlässig und komfortabel getragen.

Mittlerweile habe ich vier Paar davon, um die Schuhe immer griffbereit zu haben und nicht hin- und herwechseln zu müssen. Dabei ist mir aufgefallen, dass es gefühlt kaum einen bis keinen Unterschied macht, ob die Sohlen 100 oder 1000 Kilometer runter haben. Ich vermute also, dass man durchaus eine ältere Sohle in einem neuen Schuh recyclen kann, was dann wiederum die Anschaffungskosten halbiert. Außerdem möchte ich zu bedenken geben, dass das eigene Laufgefühl je nach Schuhmodell und -hersteller variiert und dadurch möglicherweise keine Notwendigkeit für neue Einlegesohlen besteht.

currexSole RUNPRO Einlagen
Running reloaded?
Wertung: ★★★★☆

Gute und komfortable Einlegesohle für Laufschuhe um fußformbedingten Beschwerden beim Laufen entgegenzuwirken. Durch den hohen Anschaffungspreis nicht gänzlich vorbehaltlos zu empfehlen, über den Sinn einer einfachen Einlage ohne orthopädisch fundierten Mehrwert lässt sich trefflich streiten. Für mich aus meinen eigenen Schuhen jedoch nicht mehr wegzudenken und ich gebe eine klare Empfehlung zum Selbsttest für all die unter Euch, denen die im Test beschriebenen Beschwerden bekannt vorkommen.

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