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Das Projekt „Heimspiel“ – Ein persönlicher Einblick

38 Tage bis zum Start des 13. EVL-HalbMarathons (der Veranstalter schreibt das wirklich so…) in meiner Geburtsstadt Leverkusen. 38 Tage also bis zum „Heimspiel“. 38 Tage, die darüber entscheiden, ob ich meinen unerwarteten persönlichen Erfolg aus dem letzten Jahr wiederholen, wenn nicht sogar steigern kann. 38 Tage voller Vorfreude, voller positiver Erwartung auf den Tag der Tage in diesem Jahr – zumindest was mein Laufen betrifft. Und doch: Trotz aller wiedergewonnener Motivation, trotz allem Vertrauen in meine Leistungsfähigkeit – der Druck wächst. Kann ich wirklich im Vergleich zum letzten Jahr nochmal zulegen oder werde ich am Ende sehenden Auges in ein persönliches Waterloo laufen?

In den letzten Wochen träume ich sogar vom Laufen. Das ist mir in meinem bisherigen Leben noch nicht passiert. Ein ums andere Mal in den letzten Jahren habe ich wohl vom Theater geträumt: Ich wurde auf die Bühne geworfen, konnte den Text nicht (mehr) und alles war unsagbar peinlich. Verloren vor dem Publikum, vor Scham gleich in den Bretterboden sinkend. Nun aber hat sich das Laufen in meinem Unterbewusstsein manifestiert. Mehr oder weniger positiv. So bin ich neulich nachts wahnsinnig motiviert zu einem Lauf angetreten, bei dem ich dann bei mondähnlichen Schwerkraftverhältnissen kaum nach vorne kam, während alle Kontrahenten an mir vorbeizogen… Was ich damit sagen will? Ich habe Angst zu versagen. Und damit meine ich nicht etwa, dass ich die 21,1 Kilometer nicht durchhalte und das Ziel nicht erreiche. Für mich geht es schon lange nicht mehr um das bloße Ankommen, wenn es Laufveranstaltungen geht. Es geht darum, an meine eigenen Grenzen zu gehen und diese zu überschreiten. Ich will mich verbessern. Ich will wissen: wieviel steckt an Leistung drin in meinem Körper?

Wenn man, wie ich, mit 10 Jahren kaum in der Lage war 100m am Stück zu sprinten und mit 18 an die 100kg gewogen hat, dann lernt man einen Körper zu schätzen, der mit 28 in der Lage ist von Marathon nach Athen zu laufen. Beziehungsweise in der Lage wäre. Wenn man, wie ich, ich ist, dann will man gewinnen. Erst gegen den eigenen Schweinehund und dann gegen sich selbst. Und gegen mich selbst zu gewinnen heißt in diesem Jahr auf den 21,1km eine schnellere Nettozeit als 1:28:04 zu laufen. Was im Übrigen, und das wiederum wäre ein toller positiver Nebengewinn, zu einem Platz unter den ersten fünf in meiner Alterklasse M20 und wieder zu einer Gesamtplatzierung in den Top 50 des Laufes führen sollte. Vielleicht ist es utopisch, vielleicht ist es unmöglich – aber ich träume von einem Platz in den Top 30. Vor zwei Jahren wäre eine 1:30:00 in den Top 10 gewesen. Da war es allerdings bedeutend wärmer als im letzten Jahr, in dem das – bekanntlich schnelle – Tobias M. Walter Wetter herrschte.
Und so schwanke ich mit meinen Träumen, Wünschen und Ängsten derzeit irgendwo zwischen totaler Euphorie, unverrückbarem Glauben an mich selbst und der sicheren Gewissheit des Versagenmüssens.

Am Ende aber wird auf dem Platz entschieden. Das wusste nicht nur der, von mir in diesem Zusammenhang oft zitierte, Adi Preißler. Auch unser Johann Wolfgang von und zu Goethe konstatierte einst: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum.“ In diesem Sinne: Noch 37 Trainingstage, die voller Leidenschaft bewältigt werden wollen. In 38 Tagen ist es vorbei. So oder so.

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